Montag, 13. Juli

Seiten 40 und 41

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Fotos der Installation: Die Prinzengalerie, Blick nach Westen (Seite 40) und Blick nach Osten (Seite 41), basierend auf der Rekonstruktion durch MOFFITT 1983, ORSO 1986.

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zählt 16 weiße und 16 dunkle Marmorquadrate
Rekonstruierbare Größe des Raumes: 20,4 x 5,36 x 4,4 m; MOFFITT 1983, ORSO 1986.

Leinwand
Die Leinwand, auf der „Las Meninas“ dargestellt sind, befindet sich quasi 16 m von der Ostwand entfernt;
MOFFITT 1983.

Moment! … wo steht die Sonne?
Die Prinzengalerie ist West-Ost ausgerichtet, die Sonne kommt vom Süden; vgl. das Bild auf Seite 15.

Seiten 42 und 43

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Foto der Installation: Die Prinzengalerie, Blick nach nach Osten, basierend auf der Rekonstruktion durch MOFFITT 1983, ORSO 1986.

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heimliche Treppen zum Verschwinden …
spielen in den Theaterstücken Pedro Calderóns eine große Rolle. Hinweis von Wolfram Aichinger.

… fühlt sich an wie Marmor … ist Marmor
Hier wird Lenas naturwissenschaftliches, zugleich von der aristotelischen Philosophie geprägtes Denken (Kategorien-Substanz-Relation) greifbar.

sechs hohe Fenster
vgl. das Bild auf Seite 15. In der östlichsten Achse, der letzten vor der Stiege, gab es kein Fenster; MOFFITT 1983, ORSO 1986.

Truhe, darüber ein Spiegel
Beides ist auf dem Meninas-Gemälde zu sehen. Dass die Situation gegenüber an der Ostwand dieselbe war, ist unsere Hypothese. Der Spiegel hing den Inventaren zufolge nicht wirklich hier. Er ist ein Kunstmittel Velázquez’.

Bilder … an den Wänden über den Türen
MOFFITT 1983, ORSO 1986.

zwei große Gemälde … kleines Bild
MOFFITT 1983, ORSO 1986.

Bilder an den Fensterpfeilern
MOFFITT 1983, ORSO 1986.


Seiten 44 und 45

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Foto der Installation: Blick aus der Prinzengalerie in das Atelier der Hofmaler. Die Personen: zwei Knaben resp. Mutter mit kleinem Mädchen und Vater beim Malen. Zitiert aus dem Familienbildnis von Juan Bautista Martínez del Mazo im Kunsthistorischen Museum Wien.
bilddatenbank.khm.at/viewArtefact?id=1180

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„Juan Bau…“, „…tista“
gemeint ist Juan Bautista Martínez del Mazo (* etwa 1612 in der Provinz Cuenca, Spanien; † 10. Februar 1667 in Madrid), Diego Velázquez’ Schwiegersohn, der für die Ausstattung der Prinzengalerie eine ganze Reihe von Bildern von Peter Paul Rubens resp. Jacob Jordaens kopierte.

„…go“
gemeint ist Diego Velázquez.

„Vi…“, „… cente“
gemeint ist Vicente Carducho

Bilder an der Decke
ironische Anspielung auf die im Barock sich verstärkende Mode, Bilder auch an der Decke anzubringen. Ein Deckenbild ist beispielsweise im Studierzimmer Philipps IV., das sich in der Torre Dorada (siehe Bild auf Seite 15) im Hauptgeschoß (1 Stockwerk höher als die Prinzengalerie) befand.

… wohnen die Maler im Atelier? … mit ihren Familien?
Diego Velázquez zog 1652 auf Druck König Philipps IV. in Alcázar ein. Das Familienbild von
Velázquez`Schwiegersohn Juan Bautista Martínez del Mazo im Kunsthistorischen Museum Wien zeigt die Gattin des Künstlers mit einem kleinen Mädchen (? – Kleinkinder beiderlei Geschlechts trugen dieselben langen Kleider) beim Vater (Mazo) im Atelier.
bilddatenbank.khm.at/viewArtefact?id=1180
Das genannte Detail und zwei der von Mazo dargestellten Kinder sind die Grundlage für Lenas Blick ins Atelier.

… gibt es Steuern auf Kunst?
Diego Velázquez setzte sich bei Philipp IV. ein, die Steuern auf Kunst abzuschaffen.

… wer bestimmt, was auf den Bildern dargestellt ist?
Diese Frage legt den Finger auf einen neuraligischen Diskussionspunkt. Gerade betreffend das Meniunas-Gemälde werden in der Literatur völlig divergente Meinungen vertreten. Manche meinen, das Bild sei ein von Philipp IV. in Auftrag gegeben worden, JUSTI 1888 sah sogar den König als den Erfinder der Bildidee an; andere behaupten, Velázquez hätte das Bild ohne Auftrag gemalt; so zuletzt Andreas PRATER 2014.

… malen die Hofmaler auch Bilder nur zum Spaß? Ohne Auftrag?
siehe die vorangehende Frage.

… malen sie auch für andere Auftraggeber oder nur für den König?
Diego Velázquez malte beispielsweise auf seinen beiden Italienreisen für eine ganze Reihe anderer Auftraggeber.

… gibt es auch Hofmalerinnen?
Die italienische Malerein Sofonisba Anguissola (ca. 1535 – 1625) war am spanischen Hof als Hofmalerin tätig: Sofonisba Eltern Amilcare Anguissolas und Bianca Ponzoni (sechs Töchter, ein Sohn) gehörten, aus dem Handelsbürgertum stammend, zu den adeligen Familien der Stadt Cremona. Amilcare und Bianca Anguissola erzogen ihre Töchter in einem – für damalige Zeiten – „neuen Sinn“: Sie ließen ihnen eine humanistisch geprägte Bildung zukommen, sowie eine Ausbildung, wie es nur für männliche Familienmitglieder üblich war. Sofonisbas Schwestern Lucia, Europa und Anna Maria wurden Malerinnen, Minerva trat als Literatin auf, Elena wurde Dominikanerin. Sofonisba selbst, die Älteste, erhielt eine solide künstlerische Ausbildung. Sie studierte unter anderem bei Bernardino Campi und Bernardino Gatti, gen. Il Sojaro. Ihr Vater übernahm das Management seiner begabten Tochter und korrespondierte mit hervorragenden Künstlern jener Zeit (unter anderem Michelangelo) wegen Aufträgen für sie. Sofonisba hatte bereits einen guten Ruf als Porträtmalerin, als sie 1559 auf Empfehlung des Herzogs von Alba, Fernando Toledo an den spanischen Königshof gerufen wurde, um Philipp II. und seine Familie zu malen und als Hofdame die erst 14-jährige Elisabeth von Valois zu unterrichten. Die junge Königin verbrachte bald die meiste Zeit vor der Staffelei. Anguissolas erstes Porträt der kindlichen Infantin Isabel war so gut, dass Peter Paul Rubens es kopierte. 1565 malte Anguissola Philipp II. Sofonisba war der Königin Elisabeth auch emotional sehr verbunden. Als Elisabeth 1568 während ihrer dritten Schwangerschaft starb, fiel Sofonisba in Depressionen und bat um ihre Entlassung. In ihrem Vertrag war ihr zugesichert, dass der Hof sich um einen „standesgemäßen“ Mann für die Hofdame umsehen müsse. So verschlug es sie nach Sizilien zu ihrem ersten Ehemann, dem sizilianischen Edelmann Fabrizio di Moncada. Nach dessen Tod zog sie erneut nach Spanien, verliebte sich jedoch unterwegs in den Genuesen Orazio Lomellini, heiratete und zog mit ihm nach Genua. 1606 besuchte sie der junge Peter Paul Rubens. Durch eine Augenkrankheit (starke Kurzsichtigkeit) und Rheumatismus behindert, konnte Anguissola in ihren späten Jahren nicht mehr malen. Sie übersiedelte nach Sizilien, wo sie der junge Anthonis van Dyck besuchte und sie auch malte.
de.wikipedia.org/wiki/Sofonisba_Anguissola

… wenn ja, alle oder nur die Männer?
Philipp IV. hatte eine künstlerische Ausbildung, ebenso sein unehelicher, aber legitmierter Sohn Don Juan José de Austria. Im 18. Jahrhundert wurde Erzherzogon Maria Christina, die Tochter Kaiserin Maria Theresias, im Zeichnen ausgebildet und mit ihrem Gatten, Herzog Albert von Sachsen-Teschen zu den Gründern der Albertina, heute Albertina-Museum.
www.albertina.at/

… hat die Infantita einen Malkasten?
Ihr Halbbruder Don Juan José de Austria war im Malen ausgebildet. Ob Margarita María auch eine einschlägige Schulung erhielt, ist fraglich.

genderbewegt
hier im Sinne von: feministisch engagiert

dunkler Schlauch, … Raum mit Nordlicht
Aufgrund alter Pläne (MOFFITT 1984, ORSO 1986) ist anzunehmen, dass der längliche, sich Nord-Süd erstreckende Raum, zu dem die breite Tür in der Nordwand der Prinzengalerie führte, fensterlos war. Der nördlich daran anschließende, etwa quadratische Raum empfing durch ein größeres Fenster das von Künstler_innen geschätzte gleichmäßige, keine Schatten bildende Nordlicht.

Seiten 46 und 47

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Fotos der Installation: Die Prinzengalerie, Blick nach Nordwesten basierend auf der Rekonstruktion durch MOFFITT 1983, ORSO 1986 mit den Überresten eines von uns fingierten Festes.

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Diener … alle in Schwarz … stumm
Die Farbe Schwarz für die Höflinge wurde nach Spanien durch die Casa de Austria eingeführt, die hier den Brauch des burgundischen Hofes aufgriff, die Herzog Philipp der Gute eingeführt hatte.
de.wikipedia.org/wiki/Philipp_III._(Burgund)
Von Spanien aus wurde Schwarz als Hoftracht durch Kaiser Ferdinand I. 1522 auch am Wiener Hof eingeführt und waren hier bis in die Zeit Maria Theresias (reg. 1740-80). Erst Joseph II. (rg. 1780-90) schaffte die Mamille (Schleiertuch) und die vielen spanischen Theaterstücke ab, von denen die Wiener ohnedies nur zu sagen wussten, „das kommt mir spanisch vor”. Alle „antispanischen Säuberungen” überlebt hat die Spanische (Hof-) Reitschule.
Willy LORENZ, AEIOU. Linz 1979, 135 f.; Egon Caesar Conte CORTI, Die Kaiserin. Anekdoten um Maria Theresia. Graz 1953).
austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Symbole/Schwarz

Kredenz
Auf dem Röntgen des Meninas-Gemäldes (MENA MARQUÈS 1996, Abb. 9, in: GREUB 2001) ist ein Anrichtetisch klar erkennbar, der mit einem Tuch (wohl Samt) bedeckt ist und auf dem ein Korb oder eine große Schale (wohl aus Silber) sowie eine Vase mit Blumen steht. In der ersten Woche von Lenas Besuchen steht dieser in der Prinzengalerie. Die Details beschrieben von MENA MARQUÈS 1996.
Die Schale bez. der Korb scheint laut Röntgen eine Schiffform (zwei kielbogenförmige Enden, keine präzise Nachbildung eines Schiffes) gehabt zu haben. Das mag ein Hinweis auf jene schiffförmigen Gefäße gewesen sein, in welchen in Spanien die Speisereste der königlichen Tafel für die Ausspeisung an Arme gesammelt wurden; HOFMANN-RANDALL 2012.
Der Brauch ist auch am Wiener Hof nachweisbar (Dank für den Hinweis an Immanuel Bomze). Die Ausspeisung erfolgte hier durch die „Schmauswaberln: Jene Wirtinnen, die von der kaiserlichen Hoftafel und von sonstigen herrschaftlichen Tafeln die übriggebliebenen Speisen aufkauften, diese neu zubereiteten und in ihren einfachen Lokalen gegen ein verhältnismäßig geringes Entgelt ihren Gästen auftischten: Die oft üppigen Reste der Wiener Hoftafel wurden nicht weggeworfen, sondern der Dienerschaft des Hofes überlassen. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte es Barbara Roman (geb. Wißmayer, † 30. Oktober 1813), die Witwe eines herrschaftlichen Husaren, durch Beziehungen zuwege gebracht, dass ihr die von der kaiserlichen Hoftafel und von mehreren herrschaftlichen Tafeln übriggebliebenen, der betreffenden Dienerschaft zugefallenen Speisen, verkauft wurden. Barbara Roman gab die herrschaftlichen Essensüberbleibsel am Spittelberg in einem „Gwölbl“ des Hauses Neustiftgasse 13 zu verhältnismäßig niedrigen Preisen an ihre Gäste ab. Barbara Roman führte ihr Lokal auf dem Spittelberg unter dem Namen „Zum goldenen Schiff“. Das Geschäft lief derart gut, dass sie bald die Hälfte des stattlichen barocken Bürgerhauses, welches im Jahr 1712 errichtet worden war, käuflich erwerben konnte. Wegen des guten Essens, das im Gasthaus Zum goldenen Schiff zu bekommen war, bekam dessen Inhaberin den Spitznamen Schmauswaberl. „Waberl“ ist ein wienerisches Idiom und bedeutet „Barbara“.Später etablierten sich in der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien nach diesem Vorbild weitere Lokale. Das bekannteste befand sich in der Vorderen Bäckerstraße (heute: Bäckerstraße 16) im 1. Wiener Gemeindebezirk. Dieses Lokal wurde vor allem von Studenten der nahegelegenen Universität frequentiert.
Felix CZEIKE: Historisches Lexikon Wien, Bd. 5, Kremayr & Scheriau Verlag, Wien 1997, S. 104; Christa BAUER: Hofküche und Hofkeller. In: Kulturmagazin der Wiener Fremdenführer 2009, S. 82.
wienwiki.wienerzeitung.at/WIENWIKI/Schmauswaberl

Obst
Wie Blumen verbreitet auch Obst gute Düfte, die im Spanien des 17. Jahrhunderts auch als Mittel zur Reinigung der Seele angesehen wurden.

schließen die restlichen Fenster und Läden …
Beschrieben sind hier die Voraussetzungen, die die Lichtsituation im “Meninas-Raum” bewirken.

dreibeiniger, hoher Tisch
hier Fiktion; grundsätzlich braucht ein Maler einen derartigen Tisch für die Malutensilien. Drei Beine eignen sich besonders gut, weil dadurch das Wackeln des Tisches vermieden wird. Die Höhe des Tisches richtet sich danach, ob der/die Maler_in beim Malen steht oder sitzt. Das wird bei Velázquez variiert haben, je nachdem, welche Stelle des Bildes er bearbeitet hat.

luftdichte Metallbüchsen
hier Fiktion.

Diego Rodríguez de Silva y Velázquez
online-media.uni-marburg.de/kunstgeschichte/sds/secure/dresden/spanien/velazquez/biograf.html
de.wikipedia.org/wiki/Diego_Rodríguez_de_Silva_y_Velázquez

Seiten 48 und 49

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Die “Stimmung” des Bildes ist hier der „Geschichte des Nastagio degli Onesti” von Sandro Botticelli von 1483 im Museo del Prado nachempfunden.
www.museodelprado.es/educacion/educacion-propone/aniversarios-y-conmemoraciones/2010/v-centenario-de-la-muerte-de-botticelli/historia-de-nastagio-degli-onesti/
Das Doppelporträt ist von uns, basierend auf der Reflexion im Spiegel, der auf dem „Meninas-Bild“ dargestellt ist, rekonstruiert.

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ein Porträt des Königs und der Königin, das Lena nicht kennt
auf dieses Porträt lässt die Spiegelung im Meninas-Gemälde rückschließen; dass hier das Bild und nicht das Königspaar selbst reflektiert ist, lässt sich empirisch einwandfrei nachweisen. Die Reflexion bedeutet aber nicht, dass ein solches Doppelporträt de facto existiert hat.

Lichtpunkte
Es ist in der Literatur wiederholt betont worden, dass Velázquez im Meninas-Gemälde weiße Farbe auf dem langen Pinsel hat, sich also beim Setzen der Lichtpunkte und damit beim Vollenden des (von dem/der Betrachter_in abgewandten) Bildes zeigt.

„Vater, Vater leih ma’ d’Scher!“
Traditionelles Kinderspiel im Freien: Mehrere Kinder stehen bei Bäumen, die sie berühren. Mit dem Anruf „Vater, Vater, leih ma d’Scher“ wechseln zwei so schnell wie möglich miteinander die Position, sodass sie von einem/r Fänger_in nicht „abgeschlagen“ werden können; durch die Berührung des Baumes ist der/die Positionswechsler_in wieder im „Leo“, also sicher.
Der Ton, in dem der „Spuk“ beschrieben ist, ist grundsätzlich jenem in traditionellen deutschsprachigen Kinderbüchern nachempfunden.

raue Stämme … Fischgrätwunden … Harzblut …Töpfchen
Anspielung auf die Herstellung von Terpentin (Lösungsmittel für Ölmalerei) aus Koniferen, insbesondere aus Kiefern.

„Deshalb der Spuk!“
Anspielung auf den Spuk, den der Teufel und seine skurilen Gehilfen in Bulgarovs Roman „Meister und Margarita“ (englisch: „Master and Margarita“ in Moskau in Gang setzen; siehe Info zur Idee dieses Buches).

„die Marder und Dachse in meinem Kopf“
Bezug zur Herstellung von Pinseln aus diesen Tierhaaren.
de.wikipedia.org/wiki/Pinsel#Herstellung

Seiten 50 und 51

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Foto der Installation: Blick in die Prinzengalerie Richtung Westen, basierend auf der Rekonstruktion von MOFFITT 1983, ORSO 1986. Diego Velázquez beim Malen des Doppelporträts, dessen Reflexion im Spiegel sichtbar wird. Die Prinzessin betritt mit ihrer Entourage den Saal.

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Schokolade
siehe die Info zu „Kakao“

Pfefferminzpastillen
waren am spanischen Hof des 17. Jahrhunderts sehr geschätzt; zweieinhalb Zentner „wohlriechende Mundpastillen“ nahm Margarita María 1666 nach Wien mit; SMIDT-DÖRRENBERG 1966.

Amber/Ambra
siehe die Info zu „Ambra“

Choreographie
Die Anordnung der Personen beim Gehen ist hier aufgrund des spanischen Hofzeremoniells (vgl.: HOFMANN-RANDALL 2012) so angenommen; effektive Quellen dazu dürfte es nicht geben.

… wendet sich dem Bild zu
Das Interesse der Prinzessin schon als Kind ist quellenmäßig belegt; sie besuchte Diego Velázquez nachweislich beim Malen; LLORENTE 2011; OLIVÁN 2014. Betont ist von uns zudem, dass die Prinzessin auch jetzt, nach Einführung des (den Betrachter__innen abgewandten) Bildes wieder Füße, Körper, Kopf und Blick auf einer Linie hat. Außerdem ist hier auf die Situation in Mazos Familienbildnis angespielt, wo im Hintergrund der Maler (dort der Vater) während der Arbeit von dem kleinen Kind besucht wird.

Seiten 52 und 53

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Buntstiftzeichnung nach einem Detail aus „Las Meninas“: Doña Agustina reicht der Prinzessin den búcaro (Krügleich) auf einer Silbertasse.

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Raffael- oder Leonardo-Typ
Auf dem Röntgen des Meninas-Bildes (MENA MARQUÈS 1996, Abb. 9, in: GREUB 2001). erinnert der Mundschen in seiner Haltung und bezüglich seines Gesicht an Jünglinge in Bildern Leonardo da Vincis sowie das Selbstporträt Raffaels von 1506 in den Uffizien.
de.wikipedia.org/wiki/Raffael
de.wikipedia.org/wiki/Raffael#mediaviewer/File:Sanzio_00.jpg

búcaro
Keramikrüglein. HAMANN 2010; LLORENTE 2011. Für wertvolle Hinweise danke ich Laura Oliván.
es.wikipedia.org/wiki/Búcaro

Tazza
auch „gefußte Platte“. VGl. z.B.: die spanische gefußte Platte, Silber, Dm. 29 cm, Barcelona, um 1750; Auktionskat. Dorotheum Wien, 19. Mai 2014, LOT 75.

Guadalajara
heute zweitgrößte Stadt Mexikos, Handelszentrum
de.wikipedia.org/wiki/Guadalajara_(Mexiko)

Euer Blut darf nicht stauen
de.wikipedia.org/wiki/Aderlass

Seiten 54 und 55

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Foto der Installation: José Nieto blickt aus dem Stiegenhaus in die Prinzengalerie.

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Sprachmeister
Sprachlehrer, gemeint sind hier Personen, die auf anderen Bildern im Museo del Prado dargestellt sind, die über ausreichende Sprachkenntnisse verfügten, so dass sie der Prinzessin Unterricht geben könnten; Lena geht also selbstverständlich davon aus, dass auch alle anderen Bilder des Museum „lebendig“ werden könnten resp. hinter der Leinwand lebendig sind.

Wache am Burgtor
Zum Hofzeremoniell: HOFMANN-RANDALL 2012.

zwei Garden bei jeder Tür
Zum Hofzeremoniell: HOFMANN-RANDALL 2012.

Palastquartiermeister
aposentador de palacio; HOFMANN-RANDALL 2012.

Seiten 56 und 57

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Koh-I-Noor-Zeichnung: Der Guardainfante (Reifrock) als Zeichen der Fruchtbarkeit. Wie in einem Röntgenbild werden im Becken der Prinzessin zahlreiche Embryonen sichtbar.

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ein einziger Schlüssel, drei Exemplare
haben die drei Palastquartiermeister: jener des Königs, jener der Königin und Diego Velázquez; HOFMANN-RANDALL 2012.

Luftzug (Zugluft)
für den Hinweis danke ich Laura Olivan.

zwei Elternschlafzimmer
zum Hofzeremoniell: HOFMANN-RANDALL 2012.

Auf- und Zusperrritual
zum Hofzeremoniell: HOFMANN-RANDALL 2012.

Menstruation der Königin
Das war aufgrund der Notwendigkeit der Geburt eines Thronfolgers ein öffentlich bekanntes Faktum.

„X“ für ein „U“ vormachen
Die Redewendung bedeutet, dass man jemanden täuscht oder betrügt. Sie hat ihren Ursprung in den römischen Zahlen: löscht man bei der Zahl Zehn, dem „X“, die unteren beiden Striche, wird daraus die Zahl Fünf, das „V“, aus dem sich der Buchstabe „U“ entwickelte. Eine mit Kreide aufgeschriebene Zeche kann durch diese Manipulation gedrückt werden. Dann lässt sich der Wirt kein X für ein U vormachen.
de.wikipedia.org/wiki/Ein_X_für_ein_U_vormachen

olfaktorische Analphabeten
ironische Umschreibung dessen, dass Menschen einen wesentlich schlechteren Geruchssinn als Hunde haben. Diese zählen zu den Nasentieren (Makrosmatikern). Grob zu erkennen ist der ausgeprägtere Geruchssinn schon an der Anzahl der Riechzellen, wobei es zwischen den Hunderassen erhebliche Unterschiede gibt. In etwa kann man sagen: je länger die Hundeschnauze, desto besser das Riechvermögen. So hat der Mensch fünf Millionen Riechzellen, der Dackel 125 Millionen und der Schäferhund 220 Millionen.
de.wikipedia.org/wiki/Haushund#Geruchssinn

St. Petersburger Tierheim
www.globalgiving.org/projects/support-abandoned-animals-in-st-petersburg/
www.djurskyddiost.se/Projekt/Ryssland/rysslandEng.html

Matrjoschka
(russisch Матрёшка, im Deutschen auch Matroschka oder irrtümlicherweise auch Babuschka-Puppe; englische Transkription Matryoshka): aus Holz gefertigte und bunt bemalte, ineinander schachtelbare, eiförmige russische Puppen.
de.wikipedia.org/wiki/Matrjoschka

Patriarch
Seit Spätantike ein Kirchenoberhaupt mit Jurisdiktionshoheit (Recht zur Rechtsprechung); hier schießt Lena in ihrer Aufregung über das Ziel hinaus.

Kakophonie
von griech. κακός (kakós) = schlecht und φωνή (phōné)= Laut, Ton, Stimme. Bezeichnet in der Musik und Literatur Laute und Geräusche, die besonders hart, unangenehm oder unästhetisch klingen.
de.wikipedia.org/wiki/Kakophonie

Großes Autodafé
Autodafé (portugiesisch auto-da-fé, „Glaubensgericht“, von lateinisch actus fidei, „Glaubensakt“) bezeichnet die Verkündigung und Vollstreckung eines Urteils der Spanischen oder Portugiesischen Inquisition. Im Falle eines Schuldspruchs wurde der Verurteilte in der Regel auf dem Scheiterhaufen öffentlich verbrannt.
de.wikipedia.org/wiki/Autodafé
Die Verbrennung konnte in persona (des Verurteilten selbst) oder in effigie (ein Bild, eine Puppe vertrat den Verurteilten) vollzogen werden.
Juan Antonio LLORENTE, Histoire critique de l’Inquisition espagnole (1817 und 1818), The History of the Inquisition of Spain: From the Time of Its Establishment, S. 181-184;
Google Books: The History of the Inquisition of Spain: From the Time of Its Establishment
21. Juni 1621: Die Heilige Inquisition feierte die Thronbesteigung Philipps IV. durch ein Autodafé.
Im selben Jahr wurde Don Rodrigo Calderón geköpft.
30. Nov. 1630: Autodafé in Sevilla (6 Personen in persona, 8 in effigie verbrannt)
21. Dezember 1627: Autodafé in Cordoba (81 in persona, 58 in effigie verbrannt)
1632 großes allgemeines Autodafé in Madrid, Urteilsverkündung unter Beisein der königlichen Familie (7 in persona, 4 in effigie verbrannt); u. a. wurden Miguel Rodriguez und Isabella Martinez beschuldigt, ihr Haus als Synagoge zur Verfügung gestellt zu haben; dieses wurde nach dem Autodafé vollkommen zerstört, an seiner Stelle ein Kapuzinerkloster errichtet.
22. Juni 1636: allgemeines Autodafé in Valladolid
23. Jänner 1339: allgemeines Autodafé in Luna (Peru)
1651, 1654 und 1660: Autodafés in Toleda, Cuenca, Gradada und Sevilla

Plaza mayor
„Hauptplatz“ im Zentrum von Madrid.
de.wikipedia.org/wiki/Plaza_Mayor_(Madrid)