Mittwoch, 15. Juli

Seiten 62 und 63

BILD

Foto der Installation: Der König blickt aus dem Raum in der Torre Dorada in die Prinzengalerie.

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schneeweißen Haut … azurfarbiges Pülslein
nimmt Bezug aus die Redewendung vom blauen Blut: Der Ausdruck beruht darauf, dass tiefer gelegene Venen hellhäutiger Menschen bläulich wirken. Die vermeintliche ‚Blaufärbung‘ des Blutes rührt daher, dass der rote (langwellige) Anteil des Lichtes deutlich tiefer in das Gewebe eindringt und vom Blut absorbiert wird, während der blaue (kurzwellige) Farbanteil des Lichtes von der Haut verstärkt reflektiert wird und kaum in das Gewebe eindringen kann.
Meist wird angenommen, dass der Ausdruck seinen Ursprung im Kastilien des Mittelalters hat. Unter der maurischen Herrschaft in Spanien (711–1492) kam die Bezeichnung „azurblaues Blut“ (spanisch „Sangre azul“) auf die von den germanischen Westgoten abstammende Oberschicht zur Anwendung. Deren bläulich schimmernde Adern sahen für die dunkelhäutige einheimische Bevölkerung und die eingefallenen Mauren wie mit blauem Blut durchflossen aus. Später wurde der Begriff auf die obersten Adelsschichten und namentlich auf die spanische Königsfamilie bezogen.
de.wikipedia.org/wiki/Blaues_Blut

Aber, kommt Zeit, kommt Rat …
nachempfunden dem Gedicht des österreichischen Lyrikers Erich Fried „Was es ist“

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
www.erichfried.de/Was es ist.htm
de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fried
de.wikipedia.org/wiki/Was_es_ist

Don Felipe, der König
Philipp IV. (* 8. April 1605 in Valladolid; † 17. September 1665 in Madrid), ältester Sohn von Philipp III. von Spanien und dessen Gemahlin Margarete von Österreich, sorgfältig in Literatur, Sprachen, Geographie etc. ausgebildet, war als Felipe IV König von Spanien, als Filippo III König von Neapel und Sizilien, als Filippo III König von Sardinien und als Filipe III letzter habsburgischer Herrscher über Portugal.
1615 erste Ehe mit Isabella (spanisch: Isabel) von Bourbon (Élisabeth de Bourbon), Tochter des französischen Königs Heinrich IV. und der Maria von Medici. Von den acht Kindern wurde nur das jüngste, Maria Theresia (spanisch: María Teresa) alt genug wurde, um verheiratet werden zu können: 1660 mit dem französischen König Ludwig XIV.
1649, nach Isabels Tod (1644), zweite Ehe mit seiner Nichte Erzherzogin Maria Anna von Österreich (spanisch: Mariana), die eigentlich mit Philipps Sohn und Thronfolger Baltasar Carlos hätte verheiratet werden sollte, der wenige Wochen nach einer Vereinbarung mit Kaiser Ferdinand III. verstarb (in der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober 1646).
Obwohl Philipp IV. eine Reihe gesunder Kinder mit seinen Mätressen zeugte, starben drei seiner insgesamt fünf mit Maria Anna gezeugten Kinder entweder kurz nach der Geburt, oder sie kamen tot zur Welt. Nur eine Tochter und ein Sohn erreichten das Erwachsenenalter: Margarita María, die mit ihrem Onkel, Kaiser Leopold I., verheiratet wurde, und Karl II. (* 6. November 1661 in Madrid; † 1. November 1700 in Madrid).
de.wikipedia.org/wiki/Karl_II._(Spanien)
Philipp IV. war der letzte spanische König, der eine wirkliche Großmachtpolitik betrieb. Der sog. „Pyrenäenfrieden“ (1659) beendete die Hegemonie Spaniens in Europa beendet.

Nun sprecht nur …
Im folgenden Dialog zwischen König und seinem Hofmaler Velázquez ist absichtlich ein Ton angeschlagen, der an die Dramen Friedrich Schillers erinnert. Herbrert Zeman sei hier für berseine Beratung herzlich gedankt!

statua
Zur Verwandlung von Menschen in Statuen und von Statuen in Menschen in Theateraufführungen vgl.: SMIDT-DÖRRENBERG 1966.

Seiten 64 und 65

… von der Natur bloßen Spiegelung
es geht hier um die Mimesis (altgriechisch μίμησις mīmēsis „Nachahmung“, neugriech. μίμηση mímisi), die ursprünglich das Vermögen bezeichnet, mittels einer körperlichen Geste eine Wirkung zu erzielen. In den Künsten bezeichnet sie das Prinzip der Nachahmung im Sinne der Poetik des griechischen Philosophen Aristoteles, im Unterschied zur imitatio, der kunstgerechten Nachahmung älterer, meist antiker Vorbilder. Platon verstand unter Mimesis die „nachahmende Rede“ (die wir heute als direkte Rede bezeichnen) im Gegensatz zur Diegesis, der Erzählung.
de.wikipedia.org/wiki/Mimesis
Velázquez verband die Mimensis mit der Diegesis.

„… Ist denn dem Original … was hier echt ist?“
Calderón de la Barca, Das Leben ist ein Traum.

in persona
(lat.) die Person selbst/ persönlich; bedeutet beim Autodafé die Verbrennung des/der Verurteilten selbst.

in effigie
(lat.) im Bild/ als Bild; die Person selbst/ persönlich; bedeutet beim Autodafé, dass anstelle des/der Verurteilten ein Bild oder eine Puppe verbrannt wird.

Fernrohre, Linsen
Diese optischen Geräte waren für die Seefahrt von größter Bedeutung und wurden gerade im 17. Jahrhundert erheblich weiterentwickelt.
de.wikipedia.org/wiki/Fernrohr

unsere Kirchenmänner … aus Heiden Christen
Mission in den eroberten Gebieten
de.wikipedia.org/wiki/Missionsgeschichte#Die_katholische_Mission_ab_1500

Königlicher Punkt
MOFFITT 1983.

Seiten 66 und 67

BILDER

Installation des Höhlengleichnis Platons mit König Philipp IV. als Sonne.

TEXT

des Philosophen Lehrer
meint hier Platon als Lehrer des Aristoteles, der im Mittelalter und darüber hinaus stets nur „der Philosoph“ genannt wurde.

Gewöhnung also … (Höhlengleichnis Platons)
PLATON, Der Staat, 7. Buch, 2. Kapitel.

im Teiche Eures Gartens
es geht eigentlich um den Brunnen; siehe Bild auf Seite 15.

Den Sinn des Bildes erkennen jene nur …
ironische Betonung dessen, dass unter den Kunsthistoriker_innen divergente Meinungen herrschen, was auf dem von den Betrachter_innen angewandten Bild dargestellt ist: das Doppelporträt von König und Königin (wie wir glauben), das Meninas-Gemälde oder auch gar nichts. Durch unser 1:10-Modell steht völlig außer Zweifel, dass Velázquez meint, es handle sich um das Doppelporträt des Königspaares.

der beste aller Magier mit seinem Zauberstab
meint Diego Velázquez

„Caecus caeco dux”
(der Blinde führt den Blinden an); Matthäus 15:13-14; vgl. auch Lukas 6:39-40.
Hier ist der „Blindensturz“ von Pieter Breughel d. Ä, von 1568 im Museo di Capodimonte, Neapel, mitgedacht.
en.wikipedia.org/wiki/The_blind_leading_the_blind#mediaviewer/File:Pieter_Bruegel_the_Elder_(1568)_The_Blind_Leading_the_Blind.jpg
de.wikipedia.org/wiki/Der_Blindensturz

Besuch Alexander des Großen bei Apelles
dient dem Hinweis auf die Wertschätzung der Künstler (im Falle des Apelles: Alexander d. Gr.) durch den Herrscher in der Antike
en.wikipedia.org/wiki/Apelles

trampantojo
der Betrug des Auges; gemeint ist, dass Gemaltes als real Vorhandenes missdeutet werden kann. Heute besser bekannt unter dem franz. Begriff „Trompe-l’œil“.
es.wikipedia.org/wiki/Trampantojo
de.wikipedia.org/wiki/Trompe-l’œil

ogenbedrog … ist Ketzerei.
Augenbetrug durch die Malerei. Heute besser bekannt unter dem franz. Begriff „Trompe-l’œil“.
de.wikipedia.org/wiki/Trompe-l’œil

più forte
stärker (italienische Ausführungsanweisung für Musikinterpreten)
de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_musikalischen_Vortragsbezeichnungen

Heilige Inquisition
Als Inquisition (lateinisch inquirere ‚untersuchen‘) werden jene spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gerichtsverfahren bezeichnet, die sich unter der Mitwirkung oder im Auftrag von katholischen Geistlichen in erster Linie der Verfolgung von Häretikern widmeten und sich dabei der Prozessform des Inquisitionsverfahrens (lat. inquisitio ‚Untersuchung‘) bedienten.
de.wikipedia.org/wiki/Inquisition#
Die Spanische Inquisition lag beinahe vollständig in der Hand der Monarchen. Die römische Kurie hatte auf ihren Verlauf nur einen sehr begrenzten Einfluss.Zwischen 1721 und 1725 wurden noch 160 Personen als Juden hingerichtet. Die meisten Häretiker waren aber inzwischen Gotteslästerer, Humanisten, Lutheranos und Bigamisten.
de.wikipedia.org/wiki/Inquisition#Spanische_Inquisition

Jetzt geht der Hund aufs Eis tanzen
Abwandlung der Redewendung: Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis tanzen

Die Vielgestalt des Lebens ist der Wahrheit Kern …
Im ganzen Abschnitt (Dialog Philipp IV. und Diego Velázquez) ist der Schiller’scher Tonfall imitiert; Velázquez schlüpft dadurch quasi in die Schuhe des Marquis de Posa, wie dieser im „Don Carlos, Infant von Spanien“ von Friedrich Schiller (dramatisches Gedicht, Erscheinungsjahr: 1787, Uraufführung: 29. August 1787, Deutsches Schauspielhaus, Hamburg)gegenüber Philipp II., den Großvater von Philipp IV. ein flammendes Plädoyer für die Menschlichkeit hält und an diesen appelliert, das Gefängnis Spanien in einen Hort der Freiheit zu verwandeln, am Eindrücklichsten mit den Worten „Geben Sie Gedankenfreiheit“ (3215f.).
de.wikipedia.org/wiki/Don_Karlos_(Schiller)
de.wikipedia.org/wiki/Gedankenfreiheit

Anubis
Im altägyptischen Mythos der Gott der Totenriten. Dass Lena zu ihm „betet“, ist seiner Darstellung mit als Hund oder als Mensch mit einem Hunde- (oder Schakalkopf) geschuldet.
de.wikipedia.org/wiki/Anubis_(ägyptische_Mythologie)

Seiten 68 und 69

BILD

Bleistiftzeichnung: Spinne mit dem Kopf Diego Velázquez als Verweis der Verwandlung Arachnes in eine Weberspinne. Philipp IV. mit Eselsohren: Das Porträt zitiert das Bildnis Philipp IV. im Museo del Prado, die Ohren sind ein Zitat aus Jacob Jordaens „Wettstreit zwischen Apoll und Pan“, dessen Kopie an der Ostwand der Prinzengalerie hing. Siehe Bild auf Seite 65.

TEXT

„die Sonne, schweben … von Planeten königlich umgeben … Prunk und Würde“
Calderón de la Barca, Das Leben ist ein Traum.

Minerva, Arachne
siehe Info zu „Minerva“ und „Arachne“

Olympierin
Umschreibung für „Göttin“.

Purpur
dunkles Violett-Rot. Der echte Purpurfarbstoff ist einer der teuersten Farbstoffe der Welt. Er wird aus verschiedenen Purpurschnecken (vor allem Haustellum brandaris und Haustellum trunculus) gewonnen und färbt Stoffe je nach Schneckenart, Geschlecht und Ernährung und Dauer des einzelnen Färbeprozesses grün, altrosa, tiefrot, blau, violett oder fast schwarz. in der Antike war seine Verwendung nur dem Kaiser uns seiner Familie erlaubt.
de.wikipedia.org/wiki/Purpur_(Farbe)

Wettstreit zwischen Apoll und Pan … König Midas
Die griechische Mythologie beinhaltet den Musikwettstreit zwischen Pan und Apoll; Quelle der westlichen Darstellungen ist die lateinische Fassung Ovids (Metamorphosen 11, 150–193). Dieser erzählt die Begebenheit als ein Beispiel für die Torheit König Midas’, dem zuvor der Wunsch, alles, was er berühre, möge zu Gold werden, Verderben gebracht hat, und der sich nun in den Wäldern und Grotten des Pan aufhält. Die Szene beginnt mit einer Beschreibung des Bergzugs Tmolos in Lydien. Vor dieser Kulisse spielt Pan den Nymphen auf seiner Syrinx vor und rühmt sich, schöner zu musizieren als Apollo. Er appelliert an Tmolos, den Gott des Berges, ein Urteil zu fällen. Dieser macht seine Ohren von Bäumen frei und erklärt sich bereit. Pan lässt seine Mehrrohr-Flöte erklingen und findet Midas’ Gefallen. Darauf wendet sich Tmolos dem Phoebus-Apollo zu, der, blondgelockt, purpurgewandet und lorbeerbekränzt, in Künstlerpose sein Probespiel auf der Kithara vorträgt. Tmolos erklärt ihn entzückt zum Sieger. Alle Umstehenden applaudieren. Einzig Midas protestiert. Daraufhin gibt Apollo dessen Ohren die ihrer Torheit angemessene Eselsform, von Ovid anschaulich beschrieben. Midas verhüllt sie schamhaft mit einer roten Mütze. Sein Haarschneider aber bemerkt das Geheimnis, und da er es nicht für sich behalten kann, flüstert er es in ein Erdloch, von wo es die aufsprießenden Halme in alle Winde verbreiten.
de.wikipedia.org/wiki/Musikwettstreit_zwischen_Pan_und_Apollo

Bocksbeinige
Umschreibung für „Pan“
de.wikipedia.org/wiki/Pan_(Mythologie)

Leierspiel des Dichtergottes
siehe unter „Wettstreit …“ weiter oben.

„Metamorphosen“ des Ovid
Publius Ovidius Naso, modern Ovid (* 20. März 43 v. Chr. in Sulmo; † wohl 17 n. Chr.), römischer Dichter.
de.wikipedia.org/wiki/Ovid
Die Metamorphosen (lateinischer Originaltitel Metamorphoseon libri: „Bücher der Verwandlungen“), vermutlich ab dem Jahr 1 oder 3 n. Chr. bis um 8 n. Chr., sind ein in Hexametern verfasstes mythologisches Werk über Metamorphosen („Verwandlungen“). Die Metamorphosen bestehen aus 15 Büchern von je etwa 700 bis 900 Versen und beschreiben die Entstehung und Geschichte der Welt in den Begriffen der römischen und griechischen Mythologie. Dabei wurden etwa 250 Sagen verarbeitet. Seit seinem Erscheinen war es stets eines der populärsten mythologischen Werke überhaupt und sicherlich das den mittelalterlichen Schriftstellern und Dichtern am besten bekannte. Somit hatte dieses Werk einen enormen Einfluss auf die Literatur des Mittelalters sowie auf die bildende Kunst vom Mittelalter bis zum Barock.
de.wikipedia.org/wiki/Metamorphosen_(Ovid)

Vulkan
siehe Info zu „Vulcanus“

Jupiter
oberste Gottheit der römischen Religion
de.wikipedia.org/wiki/Jupiter_(Mythologie)

Prometheus
(gr. Προμηθεύς; übers. „der Vorausdenkende“) ist in der griechischen Mythologie der Freund und Kulturstifter der Menschheit. Oft wird er auch als Schöpfer der Menschen und Tiere bezeichnet (z. B. bei Platon und Ovid) sowie der Feuerbringer und Lehrmeister der Menschen.
de.wikipedia.org/wiki/Prometheus

Seiten 70 und 71

BILDER

Bleistiftzeichnung nach einer Skulptur von Juan Martínez Montañés und einer Sevillaner Marienstatue (wohl modern)
de.wikipedia.org/wiki/Juan_Martínez_Montañés

TEXT

Paragone
(it.: Vergleich, Gegenüberstellung) wird in der Kunstgeschichte der „Wettstreit der Künste“ vornehmlich in der Renaissance und im Frühbarock bezeichnet, in dem es um die Vorrangstellung innerhalb der bildenden Künste und um das Verhältnis der Bildkünste zu anderen Schönen Künsten wie der Dichtkunst ging.
de.wikipedia.org/wiki/Paragone_(Kunsttheorie)

Sevilla
südspanische Geburtsstadt Diego Velázquez’.

Semana Santa
span.: Heilige Osterwoche, die in Spanien, besonders im Süden, mit großen Prozessionen gefeiert wird.
de.wikipedia.org/wiki/Semana_Santa

mit Spiegeln und anderem Glänzenden im Bild selbst
Es ist das Verdienst der niederländischen Malerei des frühen 15. Jahrhunderts (Jan und Hubert van Eyck u.a.), diese malerischen Mittel entwickelt zu haben; bedingt war dies durch die grundsätzlich schon im Hochmittelalter bekannte, damals aber offenbar kaum eingesetzte Ölmalerei.
de.wikipedia.org/wiki/Jan_van_Eyck
de.wikipedia.org/wiki/Ölmalerei

Weißbestrumpfte
Die Männer, die die Wagen in den Umzügen schieben, tragen weiße Strümpfe. Ob dies schon im 17. Jahrhundert der Fall war, muss hier offen bleiben.

Mein schnell gesetzter Pinselstrich, den manche kritisieren …
zur stilistischen Nähe der „sprezzatura“ (kunstvolle Nachlässigkeit, so bei Castiglione) zu den „borrones“, „golpes“, „manchas“ bei Tizian vgl. PRATER 2014.
Seiten 72 und 73

BILD

Bleistiftzeichnung und Aquarell nach dem sog. Selbstbildnis mit Landschaft (auch: „Madrider Selbstbildnis“), 1498 im Museo del Prado

TEXT

artes liberales, die Freien Künste
In der Antike getroffene, bis heute nachwirkende Einteilung der Fähigkeiten in Freie und Mechanische Künste. Erstere übten die obersten Gesellschaftsschichten, letztere die Sklaven aus.
de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Freie_Künste

ars liberalis
Einzahl von artes liberales

Konzeptkunst
Eine Kunstform insbesondere ab den 1960er Jahren, in welchen der Einfall (das Konzept) das Kunstwerk ausmacht, nicht die Ausführung, die oft an Handwerker delegiert wird, womit letztlich wieder der Dualismus von artes liberales und artes technicae festgeschrieben wird, was als antidemokratischer Zug gesehen werden kann.
de.wikipedia.org/wiki/Konzeptkunst

Du warst schon in Italien …
Italienreisen Diego Velázquez’: 1629-31 und 1648-51.

Don Pedro Pablo
Peter Paul Rubens (Pieter Pauwel Rubens oder Petrus Paulus Rubens, * 28. Juni 1577 in Siegen; † 30. Mai 1640 in Antwerpen) war ein Maler flämischer Herkunft. Er war einer der bekanntesten Barockmaler und Diplomat der spanisch-habsburgischen Krone: 1628 reiste er nach Spanien, gewann das Vertrauen König Philipps IV., wurde Sekretär des Geheimen Rats und führte während seines Aufenthalts in Madrid zahlreiche Werke aus. Von Madrid wurde er unmittelbar 1629 nach London gesandt, um mit dem König über einen Frieden zwischen Spanien und England zu verhandeln. Diesen Vorbesprechungen ist zu verdanken, dass 1630 der Friedensvertrag unterzeichnet wurde. König Karl I. von England schlug ihn deshalb zum Ritter. Auch in London war er als Maler tätig.
de.wikipedia.org/wiki/Peter_Paul_Rubens#Spanien

Don Pedros Dichtkunst
Werke Pedro Calderóns

top down, bottom up
(engl. von oben nach unten resp. von unten nach oben) sind zwei gegensätzliche Begriffe, die in diversen Analyseverfahren verwendet werden, um zwei entgegengesetzte Wirkrichtungen zu bezeichnen. Lena wendet sie hier soziologisch an.
de.wikipedia.org/wiki/Top-down_und_Bottom-up

kompliziertes rotes Kreuz
gemeint ist hier das Kreuz des Santiagoordens, das auf dem Mantel von Diego Velázquez über seiner linken Brust aufgenäht ist. Um das Kreuz ranken sich diverse Erklärungslianen, u. a. der König hätte es auf das fertige Bild aufgemalt, nachdem er den Hofmaler in den Orden aufgenommen hätte oder aber auch erst nach dessen Tod.

Selbstbildnis von Albrecht Dürer
sog. „Selbstbildnis mit Landschaft“ (auch: „Madrider Selbstbildnis“), 1498, Museo del Prado.
Das Selbstbildnis mit Landschaft zeigt Dürer in Kleidung eines eleganten Patriziers, nicht in der Arbeitskleidung eines Kunsthandwerkers. Inschrift am rechten Bildrand: „1498. Das malt’ ich nach meiner Gestalt. Ich war 26 Jahr’ alt.“ Darunter das Monogramm Dürers mit den Initialen AD, das in fast allen seinen Werken vorkommt. Die Mütze entspricht der neuesten Mode seiner Zeit und das Gewand mit der feinen Stickerei am Saum war ebenfalls elegant, denn Dürer war modebewusst und stolz. Die sorgfältige Ausführung der Haarlocken, die wie in Gold graviert scheinen, zeugt von der Lehrzeit in der Goldschmiede-Werkstatt seines Vaters. In Deutschland wurden zu Dürers Zeiten – anders als zum Beispiel in Italien – Künstler noch als Handwerker angesehen. Dürer stellt sich hier als aristokratischen, stolzen jungen Mann mit Ringellöckchen dar, der Gelassenheit zur Schau trägt. Das Bild gelangte in den Besitz des Königs Charles I. (Hinrichtung 1649) von England, der es als Geschenk von Lord Arundel erhielt. Lord Arundel wiederum hatte es vom Nürnberger Stadtrat geschenkt bekommen. Laut Information des Prado 1654 als Geschenk an Philipp IV. gelangt.
de.wikipedia.org/wiki/Dürers_Selbstbildnisse

Santiago-Orden
(span. Orden de Santiago) ist einer der großen Ritterorden, die im Zuge der sogenannten Reconquista (Rückeroberung der iberischen Halbinsel aus der Hand der Mauren/Muslimen) gegründet worden war. Gründung des Ordens 1170 durch König Alfons VIII., Bestätigung durch Papst Alexander III. 1175. Hauptaufgabe in der Frühphase: Schutz der Pilger nach Santiago de Compostela. Neben den Einnahmen, die der Orden aus seinen landwirtschaftlichen Gütern und Viehherden bezog, erzielte er Brücken-, Markt- und Wegezölle, Pachtzinsen und genoss Steuerfreiheit. 1499 baten die Katholischen Könige (Isabella I. und Fernando II.) Papst Alexander VI., die großmeisterliche Verwaltung des Ordens der Krone als Kompensation für ihre großen Opfer für den katholischen Glauben übertragen. Der Papst entsprach ihrer Bitte im gleichen Jahr durch eine Bulle, in der Fernando II. die hohe Würde der Verwaltung des Santiagoordens übertragen wurde, wodurch der Orden, i. e. die Adeligen deren Kontrolle unterstellt wurde/n. Nach dem Tode Fernandos II. im Jahr 1516 folgte ihm Kaiser Karl V. in der Verwaltung nach. Papst Hadrian VI. vereinigte 1523 die Großmeisterwürde von Calatrava-, Alcántara- und Santiagoorden auf die Krone Spaniens.
de.wikipedia.org/wiki/Santiagoorden

Bilder … heilige Banner … Schlachten
Der König hat hier quasi ein Bild wie wie die „Revelatión a San Pio V de la victoria de la Santa Liga en Lepanto (7 de octobre de 1571)“ von Juan Niño de Guevara ? (1632-86), MNM 109, vor Augen.

Don Pedro … unser Schiffskaplan … auf dem Deck der
Anspielung auf das Faktum, dass Calderón 1650 dem Franziskanerorden beigetreten war und so sein ursprüngliches Vorhaben, ein geistliches Amt auszuüben, verwirklichte. 1651 wurde er zum Priester geweiht und übernahm eine Gemeinde in dem Ort San Salvador in Madrid. Er hatte die Absicht, nie wieder ein Stück für das Theater zu schreiben. Er hielt sich an dieses Gelübde, bis er 1653 Kaplan in Toledo wurde. Danach begann er einen großen Teil seiner Zeit mit der Erstellung von Autos sacramentales zu verbringen, allegorischen Stücken, in denen das Mysterium des christlichen heiligen Abendmahls auf dramatische Weise illustriert worden ist. Sie wurden mit großem Aufwand an Fronleichnam und den darauffolgenden Wochen aufgeführt. 1663 ernannte der spanische König Philipp IV. Calderón zum Hofkaplan.
de.wikipedia.org/wiki/Pedro_Calderón_de_la_Barca
Auch hier hat der König quasi ein Bild wie die „Revelatión a San Pio V de la victoria de la Santa Liga en Lepanto (7 de octobre de 1571)“ von Juan Niño de Guevara ? (1632-86), MNM 109, vor dem geistigen Auge, dass die Priester mit dem Kreuz in der Hand auf dem Deck der Kriegsschiffe zeigt, von denen aus die katholischen Spanier gegen die Muslimen kämpfen.

Galeasse
Die Galeasse (auch Galjäß) war eine Kombination aus Segelschiff und Ruderschiff und entstand als eine Weiterentwicklung aus der neuzeitlichen Galeere. Der Name leitet sich vom italienischen Galea grossa ab. Sie war etwa 50 Meter lang und hatte zwischen 800 und 1200 Mann an Bord. Die Beseglung bestand aus drei oder vier Masten mit jeweils einem Lateinersegel. Tiefgang, Länge und Gewicht waren deutlich höher als bei den wendigeren Galeeren. So konnten die Galeassen auch deutlich mehr Bewaffnung tragen als Galeeren. Galeassen waren höher gebaut als Galeeren und konnten so nur schwer geentert werden. Während bei Galeeren dieser Epoche alle Geschütze am Bug konzentriert waren, wurde die Bewaffnung der Galeassen über das ganze Schiff verteilt, auf dem Ruderdeck oder auf einem Deck oberhalb der Ruderer. So konnten Galeassen auch nach Backbord und Steuerbord feuern, während die damaligen Galeeren nur in Fahrtrichtung schießen konnten. So rechnete man, dass die Kampfkraft einer Galeasse der Kampfkraft von fünf Galeeren entsprach. Ein großer Einsatz des Schiffstyps erfolgte in der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571. Dort hatten sechs venezianische Galeassen einen bedeutenden Anteil am Sieg der Heiligen Liga.In der Seeschlacht von Gravelines im Jahr 1588, bei der die Spanischen Armada gegen die Englische Flotte kämpfte, kamen auf spanischer Seite Galeassen mit 18 Kanonen und 26 leichteren Geschützen zum Einsatz. Diese konnten sich trotz des darauf folgenden Rückzuges und des Sieges der Engländer besonders stark gegen die immerwährenden Winde zur Küste und in den Atlantik wehren, im Gegensatz zu den spanischen Galeeren, die ihre Stärken vor allem im Enterkampf besaßen. Da jedoch Galeassen auf hoher See Segelschiffen wie den Galeonen deutlich unterlegen waren, verschwand dieser Schiffstyp nach dem 16. Jahrhundert recht schnell wieder von den Weltmeeren (insofern denkt hier der König quasi an die Schlachten gegen die Türken im 16. Jahrhundert zurück.)
de.wikipedia.org/wiki/Galeasse

Fasaneninsel … an die Grenze reisen
Mazarin und Luis de Haro unterzeichneten den Friedensvertrag am 7. November 1659. Die Ferntrauung fand am 3. Juni 1660 in der Kathedrale von Fuenterrabia auf spanischem Territorium statt, wobei Luis de Haro die Rolle des Bräutigams übernahm. Am 6. Juni trafen sich die spanische und die französische Königsfamilie mit ihrem jeweiligen Hofstaat in einem Pavillon auf der Fasaneninsel: einem neutralen Ort zwischen Frankreich und Spanien, auf der Isla de los Faisanes („Fasaneninsel”), im Fluss Bidasoa in der Nähe von Hendaye (Frankreich).
Beim offiziellen Treffen am 6. Juni beschworen die beiden Könige feierlich den Frieden.
de.wikipedia.org/wiki/Pyrenäenfriede
de.wikipedia.org/wiki/Maria_Theresia_von_Österreich_(1638–1683)#Eheschließung

für Buen Retiro malen
hier Fiktion, allerdings mit guten Gründen angenommen. Diego Velázquez verstarb aber, geschwächt durch die 73-tägige Reise, bald nach der Rückkehr am 6. August 1660.
SMIDT-DÖRRENBERG 1966.
Von französischer Seite wurde das Zusammentreffen durch Charles Le Brun (1619-1690) in einem Monumentalgemälde (348 x 597 cm) dokumentiert, Musée national du Château de Versailles (Versailles).
de.wikipedia.org/wiki/Pyrenäenfriede#mediaviewer/File:Traite-Pyrenees.jpg

mit der Nase … Leinwand
Assoziation: Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ von 1963.
de.wikipedia.org/wiki/Die_Wand