Dienstag, 7. Juli

BILD (auf den Seiten 8 und 9)

Bleistiftzeichnung nach „Las Meninas“ von Diego Velázquez: Prinzessin Margarita María, Masti und Nicolasíto Pertusato.

Du böser Hund …
Die Sprachmelodie spielt hier auf die italienische Herkunft des Sprechers Nicolasíto an.

Infantita
Verkleinerungsform von „Infanta“ (= Infantin = Thronfolgerin in Spanien). Als mögliche Thronfolgerin ihres Vaters, König Philipps IV. von Spanien, trug die Prinzessin den Titel „Infantin”. Da sie eine ältere Halbschwester, María Teresa, hatte, wurde die jüngere Prinzessin in zeitgenössischen Quellen liebevoll verkleinernd als „Infantita” bezeichnet; SMIDT-DÖRRENBERG 1966. Der Titel „Infantin“ stand einer Königstochter nur so lange zu, als sie Thronanwerterin war; kam ein männlicher Thronfolger zur Welt oder wurde sie einem Herrscher eines anderen Landes, der keine Ansprüche auf den spanischen Thron hatte, als Gattin zugesprochen, erlosch der Anspruch auf den Titel „Infantin“. Das war bei Margarita María bei der Geburt ihres Bruders Felipe Prósper (Philipp Prosper) 1657 der Fall; OLIVÁN SANTALIESTRA 2011.

Nicolás (Nicolasíto, Nicolasíllo) Pertusato
Bei ihm ist ein sog. wohlproportionierter Kleinwuchs festzustellen. Wahrscheinlich lerne Erzherzogin Maria Anna, die spätere Königin Mariana, Nicolas in Mailand kennen, wo am 17. Juni 1649 zu ihren Ehren eine Messe im Mailänder Dom stattfand. Sie reiste dann über Alesssandria weiter, wo sie zwei Mal übernachtete. Nicolás’ Bruder Lukas war Präsident des Senates von Mailand. Beide dürften aus einer angesehenen Familie gestammt und eine gute Bildung genossen haben. Nicolás gehörte zeitlebens als Sekretär zum Hofstaat Königin Marianas und ging auch mit ihr ins Exil; SÁNCHES PORTILLO 2002.
es.wikipedia.org/wiki/Nicolasito_Pertusato

Soplo
In den zeitgenössischen Quellen ist wiederholt der kleinwüchsige „Soplo“ („Hauch“) erwähnt, der mit Prinzessin Margarita María tanzte respektive ihr, wenn sie krank war, etwas vortanzte, um sie zu erheitern. Er fungierte auch als ihr Sekretär. OLIVÁN SANTALIESTRA 2014. Von uns wird hier erstmals die These vertreten, „Soplo“ sei identisch mit Nicolasíto Pertusato, als welchen Palomino 1724 den Kleinwüchsigen rechts in „Las Meninas“ bezeichnet. Dessen tänzelnde Haltung könnte auf seine „Tanztherapie“ anspielen.

Chihuahua
Aus Mexiko stammende, kleinste Hunderasse der Welt. Im Westen erst seit ca. 1850 bekannt. Masti, der um 1656 lebte, ist diese Rasse daher noch unbekannt.

Italienisches Windspiel
(auch „Piccolo Levriero Italiano“): ein sehr graziöser und eleganter Hund mit kurzem, feinem, weich-seidigem Haar, der aus Ägypten nach Griechenland und von dort nach Rom kam, wo er zum Lieblingshund der Patrizierinnen wurde. Ab dem 14. Jahrhundert fand er an allen Höfen Europas begeisterte Liebhaber.
de.wikipedia.org/wiki/Italienisches_Windspiel
Nicolasíto ist hier von Masti (uns) so bezeichnet, um zugleich auf dessen Kleinwüchsigkeit und seinen zarten Körperbau sowie auf seine italienische Herkunft anzuspielen.

Schluss! Hör endlich auf …
Hier spielt die Sprachmelodie auf die italienische Herkunft Nicolasítos an.

Der Platz ganz vorne
zum Hofzeremoniell: HOFMANN-RANDALL 2012.

Perle
vom altgriechischen μαργαρίτης (margarites). Bedeutung: Perle.
de.wikipedia.org/wiki/Margarete

Muschel
Der Begriff ist vom spanischen Hofzeremoniell (vgl.: HOFMANN-RANDALL 2012) nicht herleitbar, sondern von uns hier als Metapher (Bild) eingeführt. Allerdings ließ Kaiser Leopold I., der spätere Gemahl Margarita Marías in Wien auf das Bild von Perle und Muschel Bezug nehmen: Im sogenannten „Rossballett“ von Francesco Sparra, das am 24. und 31. Jänner 1667 zu Ehren der Kaiserin im Inneren Burghof der Wiener Hofburg stattfand, zeigte das Vorspiel „La contesa dell’aria e dell’aqua“ den Streit der Elemente Wasser und Luft um das Recht, Perlen produzieren zu dürfe. In der Folge erscheint „der Kaiser selbst und ein von acht Pferden gezogener Wagen, der Wagen der Glorie in Gestalt einer einer Muschel mit einer großen Perle (wieder eine Anspielung!) und mit dem Bildnis der Kaiserin“; SMIDT-DÖRRENBERG 1966. Beschreibung des Roßballetts anläßlich der Hochzeit von MargaritaTeresa von Spanien mit Kaiser Leopold I in der Wiener Hofburg 1667 (deutsche Übersetzung des italienischen Originals:
www.armonicotributo.com/deutsch/Texte/roba.pdf
www.habsburger.net/de/kapitel/la-boum-die-hochzeit-von-leopold-i-und-margarita-von-spanien
de.wikipedia.org/wiki/Hofburg
Seiten 10 und 11

BILD

Foto: Die Prinzessin Margarita María steht als sog. „Barockperle“ (unregelmäßig geformte Natur- oder Zuchtperle, insbesondere beliebt in der europäischen Schmuckkunst des 16. und 17. Jahrhunderts) in einer Muschelhälfte. Unsere Installation nimmt ikonographisch auf Sandro Botticellis „Geburt der Venus“ von 1485/86 (Florenz, Uffizien) Bezug, wodurch die Infantita von uns als Venus (Göttin der Schönheit) definiert wird.

TEXT

im schimmernd-weißen Kleid
Velázquez beleuchtet die Prinzessin in „Las Meninas“ so, dass sie inmitten der anderen Personen strahlt.

unsere zukünftige Königin
Im Sommer 1656 wurde seitens des französischen Hofes in Madrid hinsichtlich einer Vermählung von Margaritas älterer Halbschwester María Teresa mit dem französischen König Ludwig XIV. vorgefühlt. Da es zu diesem Zeitpunkt in Madrid keinen männlichen Thronfolger gab, kam nur die Infantita, Margarita María, als Nachfolgerin Philipps IV. in Frage. HÖBELT 2011; OLIVÁN 2011.

Margarita María Teresa de Austria
(spanisch: Margarita Teresa de Austria) * 12. Juli 1651 in Madrid; † 12. März 1673 in Wien, Tochter König Philipps IV. von Spanien und dessen fast dreißig Jahre jüngeren Nichte Erzherzogin Tochter Maria Anna (spanisch: Mariana), Infantin von Spanien (potentielle Thronfolgerin ihres Vaters) aus der spanischen Linie der Habsburger und erste Gemahlin Kaiser Leopolds I., als solche römisch-deutsche Kaiserin.
de.wikipedia.org/wiki/Margarita_Theresa_von_Spanien

Haustiere
Masti spricht hier aus der Perspektive des Hundes; die Höflinge so ironisch auch bezeichnet bei SMIDT-DÖRRENBERG 1966.

Behinderte
Der Begriff wird heute als diskriminierend angesehen und daher vermieden.
de.wikipedia.org/wiki/Behinderung#Begriffsdiskussion_im_deutschsprachigen_Raum
Da Masti im 17. Jahrhundert lebte, ist ihm die Bezeichnung nicht anzukreiden.

Säuger
Säugetiere
Seiten 12 und 13

BILD

Foto einer Installation: Die Prinzessin Margarita María, die beiden Hoffräulein, die beiden kleinwüchsigen Spielgefährten der Prinzessin (Marí Bárbola und Nicolasíto) sowie der Hund „Masti“ aus „Las Meninas“ sind hier in der rekonstruierten Prinzengalerie so angeordnet, dass sie die Prinzessin halbkreisförmig (muschelförmig) umschließen. Rekonstruktion des Raumes basierend auf MOFFITT 1983, ORSO 1986.

Palast des Königs
ursprünglich Alcazar (arabisch: die Burg; „al“ = arabischer Artikel, daher im Deutschen hier ohne Artikel gebraucht):
de.wikipedia.org/wiki/Alcázar_(Schloss)
ein maurisches Burgschloss in Madrid, das von den spanischen Königen seit dem 16. Jahrhundert als Residenz genutzt und währenddessen mehrfach umgebaut wurde. Er wurde durch ein Feuer am Heiligabend 1734 zerstört. An seiner Stelle wurde 1734 bis 1764 ein Neubau (heutige Residenz der spanischen Königsfamilie) errichtet.
Velázquez stellte die Personen seines Gemäldes in die Prinzengalerie von Alcázar: einen Saal im Untergeschoß (Erdgeschoß) des alten Burgschlosses, der sich östlich der Torre dorada (Vergoldeter Turm) erstreckte. Siehe Bild auf Seite 15. Unsere Rekonstruktion basiert u.a. auf den Untersuchungen und Rekonstruktionen von MOFFITT 1983 und ORSO 1986. Digitale Rekonstruktion des Alcázar im 17. Jahrhundert:
www.museoimaginado.com/alcazar.htm

weiter Saal
sog. „Prinzengalerie“ (cuarto del principe); MOFFITT 1983, OSO 1986.
meninasluislaca.blogspot.co.at/p/el-espejo-de-las-meninas.html

Marmor
Dass die Prinzengalerie einen Marmorboden hatte, ist anzunehmen, auch wenn dieser von Velázquez in „Las Meninas“ nicht auszunehmen ist. So für den Spiegelsaal auch rekonstruiert bei:
www.museoimaginado.com/alcazar.htm

von rechts
= von Süden, von wo auf dem Gemälde die Sonne in den Raum fällt. Die (1734 zerstörte Prinzengalerie erstreckte sich West-Ost).

Terpentin
stark riechendes Lösungsmittel für die Ölmalerei (Technik des von Velázquez geschaffenen Gemäldes), das aus Koniferen-, besonders Kiefernharzen, hergestellt wurde.
de.wikipedia.org/wiki/Terpentin

Atelier der Hofmaler
die Räume, die nördlich an die Prinzengalerie anschlossen, wurden von den Hofmalern als Atelier genutzt. Pläne von Alcázar zeigen eine sehr breite Tür, die von uns thesenhaft als vierflügelig angenommen wird; MOFFITT 1983, ORSO 1986.

Wohin immer unsere Infantita geht: Wir schützen sie!
der Sprachduktus spielt auf den „Rosenkavalier“ von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss an. Valzacchi im 2. Akt (mit der Regieanweisung „eifrig“): „Ihre Gnade ist in Eifersukt; dico per dire eut oder morgen könnte sein. Affare nostro! jede Sritt die Dame sie tut, jede Wagen die Dame steigt, jede Brief die Dame bekommt – wir sind da! An die Ecke, in die Kamin, ‘inter die Bette – in eine Schranke, unter die Dache, wir sind da!“
www.opera-guide.ch/opera.php?uilang=de&id=353#libretto

Blinde Kuh
Bezeichnung eines heute fast ausschließlich noch von Kindern gespielten Gesellschaftsspiels
de.wikipedia.org/wiki/Blinde_Kuh

Tempelhöfen
traditionelles Kinderspiel
www.spielewiki.org/wiki/Tempelhüpfen

Zwerge
nicht mehr verwendete Bezeichnung von kleinwüchsigen Menschen. Masti als im 17. Jahrhundert Lebender verwendet den damals üblichen Begriff. Die Zwerge gehörten mit den sog. Narren u.a.m. im Spanien des 17. Jahrhunderts zur gente de placer (den „Vergnügungsleuten“).

Besuch der Damen
mit ihren Kindern machten u. a. ihre Aufwartung: die Gräfin von Lamberg, die Herzogin von Alba, die Prinzessin von Astillano und die Gräfin von Nájera;OLIVAN 2014.

heiße Träne
Anspielung auf des Gedicht „Heiße Träne selbst zu weinen“ von Friedrich Rückert.

warme Schnauze, kühle Nasenspitze
Anspielung auf physikalische Zustände (Kondensieren), worin sich das physikalische Empfinden/Interesse Lenas zeigt.

bei „Fuß“
Hundekommando